Alte Schule, neuer Plan – mit Freud im Herzen und Adler im Gepäck
Wenn man sich mit der Geschichte der Psychotherapie beschäftigt, kommt man an zwei großen Namen nicht vorbei: Sigmund Freud und Alfred Adler. Beide waren Pioniere, beide tiefgründige Denker – und doch könnten ihre therapeutischen Ansätze kaum unterschiedlicher sein.
Freud war überzeugt, dass unsere psychischen Probleme aus der Kindheit stammen. Verdrängte Wünsche, ungelöste Konflikte und unbewusste Triebe prägen unser Denken, Fühlen und Handeln. Um diese aufzudecken, entwickelte er die Psychoanalyse – eine intensive, oft jahrelange Gesprächstherapie, die tief ins Unterbewusstsein eintaucht mit dem Ziel, durch Erkenntnis Heilung zu ermöglichen.
Alfred Adler, ursprünglich ein Schüler Freuds, schlug einen anderen Weg ein. Für ihn stand der Mensch nicht im Schatten seiner Vergangenheit, sondern im Licht seiner Möglichkeiten. Er sah Menschen als soziale Wesen, die nach Zugehörigkeit, Sinn und Selbstwirksamkeit streben. Probleme entstanden für ihn dann, wenn jemand den Glauben an seinen eigenen Wert oder an seine Handlungsfähigkeit verlor. In der Therapie bedeutet dies, der Fokus auf die Gegenwart, mit Blick nach vorn mit konkreten, alltagstauglichen Schritten zur Veränderung.
Während Freud analysierte, reflektierte und oft über lange Zeit in die Tiefe grub, arbeitete Adler mit ermutigenden Impulsen, klaren Zielen und einer respektvollen, partnerschaftlichen Haltung, welche zeitnah Erfolge erzielte. Seine Methoden lassen sich gut ins Heute übertragen: Ressourcen stärken, Perspektiven verändern und neue Handlungsspielräume schaffen. Veränderung im Jetzt.
Ich sehe in Freuds Theorien (dem Konzept des Unbewussten) wertvolle Grundlagen, die helfen, innere Prozesse zu verstehen. Ich nehme davon viel mit in meine Praxis. In meiner Tätigkeit als ganzheitliche Therapeutin arbeite ich jedoch deutlich näher an Adlers Haltung: lösungsorientiert, ressourcenfokussiert und stets mit der Frage: Was hilft dir jetzt – konkret, spürbar, alltagsnah?
Für mich ist es ein Anliegen, meinen Klienten effektive Werkzeuge mitzugeben, die ihnen zeitnah helfen, mehr innere Stärke und Resilienz zu entwickeln. Sei es durch praxisnahe Methoden, konkrete Impulse oder gezielte Veränderungen in Denk- und Verhaltensmustern. Das Ziel ist klar – wieder ins eigene Handeln zu kommen. Nicht im Sinne von „schnell weiterfunktionieren“, sondern im Sinne von effektiver, nachhaltiger Entwicklung.
Denn Therapie darf Mut machen und sie darf auch mal leicht sein.
Herzlich, Karin