Stille kann sprechen… und sagt manchmal alles!
Wir haben verlernt, still zu sein. Sobald es ruhig wird, füllen wir den Raum, mit Worten, Geräuschen und Ablenkung. Nicht, weil wir so kommunikativ sind, sondern weil Stille uns konfrontiert. Mit uns selbst.
Denn in der inneren Stille tauchen Antworten auf, die sich im Lärm des Alltags nicht melden. Gefühle, Körperempfindungen, innere Wahrheiten. Psychologisch gesehen ist Stille kein leeres Feld, sondern ein Zustand erhöhter Wahrnehmung. Das Nervensystem hört genauer hin. Der Körper wird ehrlicher. Und genau das ist nicht immer bequem.
Stille wirkt aber nicht nur nach innen, sondern auch zwischen Menschen. Wenn jemand nicht antwortet. Wenn Nähe plötzlich ausbleibt. Wenn Gespräche versanden, ohne Erklärung. Diese Form von Stille wird oft relativiert oder entschuldigt. Dabei spricht sie häufig sehr klar. Nicht jede Stille ist Ablehnung, aber jede Stille ist Information. Unser Nervensystem reagiert darauf unmittelbar. Auf Unsicherheit, auf Inkonsistenz, auf das Gefühl, nicht wirklich gemeint zu sein.
Lautstärke (emotional wie akustisch) hält das Nervensystem in Daueranspannung. Zu viel Reden ohne Tiefe, ständiges Erklären, Rechtfertigen, Funktionieren. Stille dagegen kann regulierend wirken. Aber nur, wenn wir gelernt haben, sie auszuhalten.
Stille zeigt uns zuverlässig, was uns gut tut und was nicht. Bei welchen Menschen wir ruhiger werden. Wo wir enger, kleiner, wacher werden. Welche Beziehungen nähren und welche mehr Energie kosten, als sie geben. Manchmal zeigt Stille uns auch, wie laut wir selbst waren, um etwas nicht hören zu müssen.
Stille bewertet nicht. Sie erklärt nichts. Sie ist kein Drama. Sie zeigt nur. Und wer ihr zuhört, braucht oft weniger Worte und deutlich weniger Lärm.
Danke für dein Lesen und eine stille Umarmung an dich,
Karin